ZVV - DAS PORTRAIT
Geschichte ZVV
Der moderne öffentliche Verkehr hat seine Ursprünge im ausgehenden 18. Jahrhundert und hängt eng
mit der Industrialisierung Europas zusammen. In diese Epoche fällt der Aufbau eines
leistungsfähigen Postkutschenwesens, der Bau und die Entwicklung der Eisenbahn sowie der Aufstieg
der Personenschifffahrt. Für den öffentlichen Nah- und Regionalverkehr im Kanton Zürich ist das
ausgehende 19. Jahrhundert die wegweisende Epoche.
1875 erklimmt die Üetlibergbahn – damals noch eine reine Ausflugsbahn – erstmals den Zürcher
Hausberg, 1882 fährt zum ersten Mal ein Rösslitram durch Zürichs Innenstadt, 1894 durchquert das
erste elektrische Tram die Limmatstadt.
Krise und Renaissance des öffentlichen Verkehrs
Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts war eine Blütezeit des öffentlichen Personenverkehrs. Nach 1950 aber erwächst ihm mit dem Auto eine starke Konkurrenz. Vielerorts werden unrentable Strassenbahnen stillgelegt und durch Busse ersetzt. Grosse Projekte des öffentlichen Verkehrs haben es schwer: 1962 lehnt Zürichs Stadtbevölkerung die Tieflegung des Tramnetzes im Kernbereich ab, 1973 verweigert die Kantonsbevölkerung den Bau eines U-Bahn- und eines S-Bahnnetzes. Erst die achtziger Jahre leiten ein Umdenken ein. Staus in und um die Städte zeigen die Grenzen des individuellen Verkehrs auf, die zunehmende Umweltbelastung weckt in weiten Bevölkerungskreisen ein ökologisches Bewusstsein. Dies hat Auswirkungen auf den öffentlichen Verkehr: 1981 legt die Zürcher Kantonsregierung dem Souverän erneut den Bau einer S-Bahn zur Abstimmung vor. Das Projekt wird mit solider Zweidrittelmehrheit bewilligt.
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Bahnhof Stadelhofen 1980 |
Bahnhof Stadelhofen 1990 |
1988 folgt die gesetzliche Grundlage für den ZVV, der die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger
ebenfalls deutlich zustimmen.
Die Idee des Verkehrsverbundes ist einfach, in der Schweiz jedoch bisher einmalig: Die
einzelnen Verkehrsbetriebe funktionieren nicht mehr als einzelne Unternehmen mit eigenem Tarif und
einem klar abgegrenzten Gebiet, sondern als Teil eines grossen Ganzen. Der Verlust an
unternehmerischer Autonomie wird durch den Gewinn an Kundenfreundlichkeit deutlich wettgemacht.
Start in die Zukunft des öffentlichen Verkehrs
Am 27. Mai 1990 startet der öffentliche Verkehr im Kanton Zürich offiziell in eine neue Ära: Der ZVV wird aus der Taufe gehoben und die Zürcher S-Bahn verlässt erstmals den neu erstellten Bahnhof Stadelhofen. Die Realisierung der S-Bahn erfordert weitere Neubauten wie etwa den unterirdischen S-Bahnhof Museumstrasse in Zürich, den Hirschengraben- und Zürichbergtunnel, die Erweiterung zahlreicher Bahnhöfe und den Neubau verschiedener Haltestellen.
1990: Bundesrat Adolf Ogi bei der Startfeier der S-Bahn-Zürich
Im Laufe der ersten fünf Jahre findet der ZVV zu seiner heute noch gültigen Zusammenarbeitsform. Der ZVV definiert die strategischen Ziele und Stossrichtungen, trägt die Finanzverantwortung und übernimmt das strategische Marketing. Für die eigentlichen Verkehrsleistungen sind nach wie vor die im ZVV zusammengeschlossenen Verkehrsunternehmen zuständig. Im Sinne einer effizienten Zusammenarbeit wird das Verbundgebiet in achtMarktregionen mit acht so genannten marktverantwortlichen Verkehrsunternehmen – kurz: MVU – aufgeteilt. Die MVU sorgen dafür, dass der Betrieb in den Regionen funktioniert, die Fahrpläne eingehalten und die Budgetvorgaben erreicht werden. Ihnen unterstellt sind kleinere und mittlere konzessionierte Verkehrsunternehmen wie auch Transportbeauftragte, welche primär für die Fahrleistungen auf bestimmten Strecken verantwortlich sind. Diese Organisationsform, die strategische und operative Aufgaben trennt, hat sich als wirtschaftlich, effizient und kundenfreundlich erwiesen.
Das Angebot wird ausgebaut
Der Erfolg lässt nicht auf sich warten, schon bald stösst das ZVV-Angebot auf einzelnen Linien an Kapazitätsgrenzen. Dreimal wird deshalb das S-Bahnnetz erweitert und ergänzt und das Busangebot entsprechend angepasst. Die Kundinnen und Kunden honorieren diese Angebotsverbesserungen mit immer höheren Frequenzen: Die Passagierzahlen auf der S-Bahn haben sich seit der Einführung im Mai 1990 weit mehr als verdoppelt. Auch die Einführung des ZVV-Nachtnetzes in den Nächten von Freitag und Samstag entwickelt sich rasch zum Erfolg. Zudem wird die Zugänglichkeit des öffentlichen Verkehrsangebots für Mobilitätsbehinderte im Rahmen des Konzepts «MobilPlus» laufend verbessert. Der Erfolg hat Konsequenzen: Der öffentliche Verkehr stösst auf Schlüssellinien und vor allem im Knotenpunkt des Zürcher Hauptbahnhofs erneut an seine Kapazitätsgrenzen. 2010 beschloss der Kantonsrat den Kredit für die 4. Teilergänzungen der S-Bahn. Investitionen in weitere Streckenergänzungen und der Bau eines zweiten unterirdischen Durchgangsbahnhofs sind nötig, damit die Erfolgsgeschichte des öffentlichen Verkehrs in und um den Kanton Zürich fortgeschrieben werden kann.
Neuer Doppelstockzug der dritten Generation (Regio Dosto von Stadler Rail)
Ein
Rückblick (PDF, 184KB)
mit wichtigen Meilensteinen in der Geschichte der
S-Bahn Zürich.