Rechnungsbericht 2016

Die Rechnung 2016 des ZVV schliesst mit einer Kostenunterdeckung von 341,6 Mio. Franken ab. Gegenüber dem Vorjahr verbesserte sich das Ergebnis somit um 4,1 Mio. Franken. Dies, obwohl im Fahrplanjahr 2016 mit der Inbetriebnahme der zweiten Etappe der 4. Teilergänzungen der Zürcher S-Bahn und den damit einhergehenden Anpassungen im Busnetz der grösste Angebotsausbau seit der Gründung des ZVV erfolgte.

Der ZVV wird finanziell über einen Rahmenkredit des Kantonsrates gesteuert. Für die Jahre 2016 und 2017 wurde ein Rahmenkredit von 711,6 Mio. Franken bewilligt, davon 352,8 Mio. Franken für die Kostenunterdeckung 2016. Mit dem vorliegenden Rechnungsergebnis von 341,6 Mio. Franken konnte dieser Betrag um 11,2 Mio. Franken unterschritten werden.

1 Kostenunterdeckung leicht rückläufig

Kostenunterdeckung (in Millionen Franken)

In den letzten sechs Jahren konnte die Kostenunterdeckung mit Schwankungen beständig reduziert werden, obwohl das Angebot markant ausgebaut wurde. So beträgt die Kostenunterdeckung 2016 fast 20 Mio. Franken weniger als noch im Jahr 2010. Die Ertragsentwicklung lag in dieser Periode mit einem durchschnittlichen Wachstum von 3 % pro Jahr doppelt so hoch wie die Aufwandentwicklung. Dadurch konnte der Kostendeckungsgrad des ZVV von 59,7 % (2010) auf 65,1 % (2016) verbessert werden.

Entwicklung der Kostenunterdeckung (in Millionen Franken)

Table caption
2014 2015 2016
Leistungsentgelt an Verkehrsunternehmen 869.9 869.3 870.1
Abgeltungen an die SBB und übrige Verkehrsunternehmen 64.5 72.8 81.2
Belastung Mehrwertsteuer 11.2 11.0 10.9
Aufwand Verbundorganisation 9.4 19.7 10.2
Betriebsbeiträge an ProMobil 6.3 6.0 5.0
Total Aufwand 961.3 968.8 977.4
Verkaufserlös aus Fahrausweisen 819.2 850.7 872.1
./. Einnahmenanteile -296.3 -316.0 -324.2
./. Mehrwertsteuer -39.2 -39.1 -40.3
Verkehrsertrag 483.7 495.6 507.6
Nebenerträge und Beiträge 110.6 102.3 99.2
Ertrag 594.3 597.9 606.8
Finanzierung Nachbarkantone 2.6 2.5 3.0
Finanzierung Bund 24.2 22.7 26.0
Total Finanzierung durch Dritte 26.8 25.2 29.0
Total Ertrag und Finanzierung durch Dritte 621.1 623.1 635.8
Kostenunterdeckung 340.2 345.7 341.6

2 Geringe Aufwandsteigerung bei grossem Leistungsausbau

Der Aufwand betrug 2016 insgesamt 977,4 Mio. Franken. Gegenüber dem Vorjahr stieg er um nur 8,6 Mio. Franken (0,9 %) an. Die grösste Aufwandposition ist das Leistungsentgelt, das die Entschädigungen an die aufwandfinanzierten Verkehrsunternehmen umfasst. Mit 870,1 Mio. Franken liegt das Leistungsentgelt um 0,8 Mio. Franken (0,1 %) über dem Vorjahreswert. Im Fahrplanjahr 2016 wurden bei den aufwandfinanzierten Verkehrsunternehmen Angebotsausbauten vorgenommen, die bei einem Leistungsausbau bei den Buskilometern von rund 5,5 % Zusatzkosten von fast 18 Mio. Franken auslösten. Dem stehen aber Sondereffekte gegenüber, die diesen Anstieg teilweise kompensieren.

Einerseits wurde das Leistungsentgelt durch eine Rückerstattung aus dem Verkehrsfonds um 6,6 Mio. Franken entlastet: Die Projektierungskosten für die Limmattalbahn waren anfänglich durch den ZVV vorfinanziert worden. Nach der rechtskräftigen Bewilligung des Kredits für die Limmattalbahn werden diese Kosten durch den Verkehrsfonds getragen, was zur Rückerstattung führte. Andererseits ergab sich eine weitere Entlastung aus der Neuregelung der Infrastrukturfinanzierung der Eisenbahnen (FABI). Da die Finanzierung dieser Infrastrukturkosten seit 2016 in der alleinigen Verantwortung des Bundes liegt, ergeben sich für den ZVV Minderaufwendungen beim Leistungsentgelt der Forchbahn (FB) und der Sihltal Zürich Uetliberg Bahn (SZU) von rund 10 Mio. Franken. Bereinigt um diese Faktoren, wäre das Leistungsentgelt etwa im Umfang der Kosten für die Angebotsausbauten gestiegen. Leistungsbereinigt blieb das Leistungsentgelt an die Verkehrsunternehmen somit insgesamt in etwa stabil. Dazu trugen neben den kostensenkenden Auswirkungen der Zielvereinbarungen weiterhin sehr günstige Rahmenbedingungen wie die geringe Teuerung und tiefe Zinssätze bei.

Die Abgeltungen an die defizitfinanzierten Verkehrsunternehmen und vor allem an die SBB stiegen verhältnismässig stark. Sie lagen 2016 mit 81,2 Mio. Franken um 8,4 Mio. Franken (11,5 %) höher als im Vorjahr. Wie erwähnt, wurde 2016 die zweite Etappe der 4. Teilergänzungen der Zürcher S-Bahn in Betrieb genommen. Dadurch erhöhte sich die Leistung der SBB um über 2 Mio. Zugskilometer oder um mehr als 10 %. Allein dadurch hätte sich eine Abgeltungserhöhung von rund 14 Mio. Franken ergeben. Diese konnte teilweise kompensiert werden: Einerseits wurde mit den SBB eine neue Zielvereinbarung 2016 – 2021 abgeschlossen, die jährliche Produktivitätssteigerungen vorsieht. Andererseits ergab sich, wiederum aufgrund von FABI, eine Entlastung bei den Abgeltungen an die Südostbahn (SOB) und die BDWM von insgesamt rund 3 Mio. Franken. In der neuen Zielvereinbarung mit den SBB ist abermals ein Bonus-Malus-System zur Qualitätssicherung vorgesehen. Aufgrund der sehr guten erzielten Qualität der SBB 2016 wurde ein Bonus von 2,7 Mio. Franken ausgerichtet, der bei den Abgeltungen verbucht wird.

Bei der Belastung Mehrwertsteuer handelt es sich um den Aufwand für nicht rückforderbare Vorsteuern, weil der ZVV Subventionen erhält. Berechnet wird sie als Pauschale von 3,7 % der erhaltenen Nettosubventionen. Dafür mussten 2016 10,9 Mio. Franken aufgewendet werden.
Im Jahr 2016 wurden 10,2 Mio. Franken für die Verbundorganisation aufgewendet. Das entspricht einem Anstieg von 0,5 Mio. Franken (5,2 %) gegenüber dem Vorjahr. Rund die Hälfte ist dabei auf eine Neuberechnung der Rückstellungen für Mehrleistungen des Personals zurückzuführen. Beim Sachaufwand wurden mehr Mittel im Zusammenhang mit Projekten im Bereich des Web-Auftritts und des elektronischen Fahrplans beansprucht.

Die Betriebsbeiträge an die Behindertentransportorganisation ProMobil betrugen 5,0 Mio. Franken. Mit der Umsetzung des Konzepts MobilPlus des ZVV wird der öffentliche Verkehr im Kanton Zürich zunehmend behindertengerecht. Deshalb wurde mit ProMobil und der Sozialdirektion als zweitem grosser Beitragsgeber vereinbart, den Beitrag des ZVV schrittweise zu senken. 2016 wurde der erste Schritt vollzogen, indem der Beitrag von 6,0 Mio. Franken auf 5,0 Mio. Franken reduziert wurde.

3 Weiter steigende Verkehrseinnahmen

Ertragsentwicklung (in Millionen Franken)

Insgesamt wird 2016 ein erwirtschafteter Ertrag von 606,8 Mio. Franken ausgewiesen. Dies entspricht einer Zunahme gegenüber dem Vorjahr von 8,9 Mio. Franken oder 1,5%. Der Verkehrsertrag und die Nebenerträge entwickelten sich dabei gegenläufig. Beim Verkehrsertrag konnte eine Zunahme um 12,0 Mio. Franken (2,4 %) auf 507,6 Mio. Franken verzeichnet werden. Damit wurde in dieser Position zum ersten Mal die Grenze von 500 Mio. Franken überschritten. Die Einnahmen aus den Verbundtarifen des ZVV und des Z-Passes konnten sogar um 3,2 % gesteigert werden. Diese Zunahme liegt im Rahmen der Nachfrageentwicklung, die 2016 gemessen an den zurückgelegten Personenkilometern 3,8 % betrug. Da die Einnahmen aus dem nationalen Tarif (Generalabonnemente, Halbtax) leicht rückläufig waren und höhere Abgrenzungen bei den Verkehrseinnahmen vorgenommen wurden, haben die Verkaufserlöse aus Fahrausweisen mit 2,5 % etwas weniger stark zugenommen als die Einnahmen. Insgesamt betrugen diese Erlöse 872,1 Mio. Franken. An Einnahmenanteile für die Anerkennung von Verbundfahrausweisen wurden an die SBB und die übrigen defizitfinanzierten Verkehrsunternehmen 324,2 Mio. Franken oder 2,6 % mehr als im Vorjahr ausbezahlt. Nach Abzug der Mehrwertsteuern ergibt sich der für das Rechnungsergebnis relevante Verkehrsertrag von 507,6 Mio. Franken.

Die Nebenerträge und Beiträge gingen im Berichtsjahr um 3,1 Mio. Franken (3 %) auf 99,2 Mio. Franken zurück. Dabei liegen die Nebenerträge der Verkehrsunternehmen mit 94,6 Mio. Franken ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres. Die grössten Positionen waren wiederum die Betriebsbesorgungen für Dritte und die Werbeerträge. Bei den Beiträgen Dritter, bei denen es sich vor allem um durch Dritte finanzierte Angebotserweiterungen handelt, wurde hingegen ein Rückgang von 1,1 Mio. Franken verzeichnet. Dies, weil in der Fahrplanperiode 2016/2017 verschiedene dieser Leistungen in das reguläre Verbundangebot übernommen worden sind. Ein weiterer Teil des Rückgangs ist darauf zurückzuführen, dass 2015 in den Nebenerträgen ein einmaliger Aufwertungsgewinn verbucht worden war.

Bei den Finanzierungen durch Dritte wurden mit 29 Mio. Franken 3,8 Mio. Franken mehr als im Vorjahr vereinnahmt. Aufgrund der Fahrplanausbauten 2016 stiegen die finanziellen Beteiligungen des Bundes und der Nachbarkantone an die Regionalverkehrslinien. Erfreulich ist, dass sich der Bund 2016 am gesamten bestellten Regionalverkehrsangebot im Kanton Zürich beteiligte. In der Budgetplanung war noch davon ausgegangen worden, dass die Mittel des Bundes hierfür nicht ausreichen würden und es zu einer so genannten Kantonsquotenüberschreitung kommen würde.

4 Weitere Entwicklung im Zeichen des Sparprogramms des Kantons Zürich

Um den mittelfristigen Ausgleich des Staatshaushalts zu erreichen hat der Kanton Zürich ein Sparprogramm (Leistungsüberprüfung 2016) verabschiedet. In dessen Rahmen wird der ZVV das Fahrplanangebot weniger stark ausbauen können als ursprünglich geplant. Die dritte Etappe der 4. Teilergänzungen der Zürcher S-Bahn soll aber 2019 wie geplant in Betrieb genommen werden. Zudem müssen die Verkehrsunternehmen Massnahmen zur Kostensenkung und Nebenertragssteigerungen ergreifen. Auch ein Zuschlag von 5 Franken auf alle ZSG-Schiffe wurde eingeführt. Insgesamt konnten dadurch die Vorgaben eingehalten werden und die Entwicklung der Kostenunterdeckung konnte in den Jahren 2017–2019 gegenüber der Finanzplanung deutlich reduziert werden. Für das laufende Jahr 2017 wird mit einer erneut rückläufigen Kostenunterdeckung gerechnet. Gemäss Budget wird sie 337 Mio. Franken betragen.

5 Rechnungslegung

Table caption
Budget 2016 Abrechnung 2016
Leistungsentgelt an Verkehrsunternehmen 891'400'000.00 870'088'445.07
Abgeltungen an die SBB und übrige Verkehrsunternehmen 99'800'000.00 81'181'876.86
Belastung Mehrwertsteuer 10'300'000.00 10'899'401.30
Aufwand Verbundorganisation 11'100'000.00 10'188'074.44
Betriebsbeiträge an ProMobil 5'000'000.00 5'000'000.00
Total Aufwand 1'017'600'000.00 977'357'797.67
Verkaufserlös aus Fahrausweisen 882'600'000.00 872'130'446.32
./. Einnahmenanteile -324'500'000.00 -324'162'801.55
./. Mehrwertsteuer -41'300'000.00 -40'332'164.98
Verkehrsertrag 516'800'000.00 507'635'479.79
Nebenerträge 118'300'000.00 94'644'951.63
Beiträge Dritter 4'100'000.00 4'520'890.39
Nebenerträge ZVV-Organisation 0.00 13'621.05
Nebenerträge und Beiträge 122'400'000.00 99'179'463.07
Ertrag 639'200'000.00 606'814'942.86
Finanzierung Nachbarkantone 2'700'000.00 2'972'233.00
Finanzierung Bund 22'900'000.00 25'989'016.00
Total Finanzierung durch Dritte 25'600'000.00 28'961'249.00
Total Ertrag und Finanzierung durch Dritte 664'800'000.00 635'776'191.86
Kostenunterdeckung 352'800'000.00 341'581'605.81
Kreditunterschreitung -11'218'394.19

6 Woher kommt das Geld? Wohin fliesst das Geld?