Rechnungsbericht 2018

Das Rechnungsergebnis konnte 2018 gegenüber dem Vorjahr erneut verbessert werden. Mit 306,7 Mio. Franken ist die Kostenunterdeckung um 21,5 Mio. Franken gesunken. Somit ist das jährliche Defizit im ZVV zum dritten Mal in Folge rückläufig. Der Kostendeckungsgrad ist auf einen Rekordstand von 69,1 % gestiegen. Zur erfreulichen finanziellen Entwicklung beigetragen haben sowohl die Aufwands- als auch die Ertragsentwicklung.

Der ZVV wird über einen zweijährigen Rahmenkredit des Kantonsrats gesteuert (aktuell für die Jahre 2018 und 2019). Gegenüber dem im Rahmenkredit budgetierten Wert von 339,3 Mio. Franken liegt die Kostenunterdeckung 2018 um 32,6 Mio. Franken tiefer. In dieser markanten Verbesserung spiegelt sich neben der effektiven finanziellen Entwicklung die Tatsache, dass bereits mit dem Rechnungsergebnis 2017 das Budget um 9,2 Mio. Franken unterschritten worden war, was sich als Niveaueffekt auf die Soll-/Ist-Abweichung im Jahr 2018 auswirkt.

1 Kostenunterdeckung erneut rückläufig

Kostenunterdeckung (in Millionen Franken)

Im Berichtsjahr wurde am Angebot insgesamt wenig geändert. Die grossen Angebotsschritte im Zusammenhang mit den 4. Teilergänzungen der Zürcher S-Bahn sind in der Fahrplanperiode 2016/2017 (zweite Etappe) und auf den Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2018 (dritte Etappe) erfolgt. Sie zeigen daher keine spürbaren Auswirkungen auf die Rechnung 2018. Der einzige nennenswerte Ausbau im Fahrplanjahr 2018 betraf die Inbetriebnahme der Verlängerung der Tramlinie 8 über die Hardbrücke. Die Billettpreise sind im Jahr 2018 stabil geblieben. Vor diesem Hintergrund wurde in der finanziellen Planung noch von einer Stabilisierung der Kostenunterdeckung ausgegangen, mit etwas höheren Kosten und Erträgen. Der Rückgang der Kostenunterdeckung von 328,2 Mio. Franken (2017) auf 306,7 Mio. Franken (2018) ist nun zu rund 40 % aufwandseitig und zu 60 % ertragsseitig bedingt.

Ein Blick auf die finanzielle Entwicklung der letzten Jahre zeigt, dass die Kostenunterdeckung des ZVV seit 2012 von 365,1 Mio. Franken kontinuierlich gesenkt werden konnte, insgesamt um 58,4 Mio. Franken. Während der Aufwand sich trotz grosser Angebotsausbauten durchschnittlich nur um 0,7 % erhöhte, haben die Erträge im Jahresdurchschnitt um 2,6 % zugenommen.

In der Rechnung 2018 ist im Vergleich zu den Vorjahren eine Besonderheit zu beachten. Sowohl aufwand- als auch ertragsseitig werden durchlaufende Beiträge von 14,7 Mio. Franken aufgeführt. Dabei handelt es sich um die Rückerstattungen von PostAuto-Abgeltungen aus den Jahren 2004 bis 2018, die der ZVV im Rahmen der Aufarbeitung der PostAuto-Affäre erhielt. Die an den ZVV 2018 ausbezahlten PostAuto-Rückerstattungen wurden im gleichen Jahr an den Kanton und die Gemeinden weitergeleitet, da diese ihrerseits in der besagten Periode zu hohe Beiträge an den ZVV geleistet hatten. In Bezug auf das Rechnungsergebnis sind die Rückerstattungen somit erfolgsneutral. Sie erhöhen aber sowohl den Aufwand als auch den Ertrag.

Entwicklung der Kostenunterdeckung (in Millionen Franken)

Table caption
2016 2017 2018
Leistungsentgelt an Verkehrsunternehmen 870.1 882.6 869.6
Abgeltungen an die SBB und übrige Verkehrsunternehmen 81.2 77.8 85.1
Belastung Mehrwertsteuer 10.9 10.5 9.3
Aufwand Verbundorganisation 10.2 10.8 10.5
Betriebsbeiträge an ProMobil 5.0 4.0 3.0
Durchlaufende Beiträge (Rückerstattung PostAuto) 0.0 0.0 14.7
Total Aufwand 977.4 985.7 992.2
Verkaufserlös aus Fahrausweisen 872.1 906.6 930.0
./. Einnahmenanteile -324.2 -339.0 -342.8
./. Mehrwertsteuer -40.3 -41.7 -41.5
Verkehrsertrag 507.6 525.9 545.7
Nebenerträge und Beiträge 99.2 104.1 97.5
Ertrag 606.8 630.0 643.2
Finanzierung Nachbarkantone 3.0 2.9 2.9
Finanzierung Bund 26.0 24.6 24.7
Durchlaufende Beiträge (Rückerstattung PostAuto) 0.0 0.0 14.7
Total Finanzierung durch Dritte 29.0 27.5 42.3
Total Ertrag und Finanzierung durch Dritte 635.8 657.5 685.5
Kostenunterdeckung 341.6 328.2 306.7

2 Aufwand konstant gehalten

Der Aufwand des ZVV lag mit 992,2 Mio. Franken um 6,5 Mio. Franken über dem Vorjahreswert. Ohne Berücksichtigung der Rückerstattungen von PostAuto-Abgeltungen an Kanton und Gemeinden ist der Aufwand 2018 um 8,2 Mio. Franken oder 0,8 % gesunken. Bei der Finanzierung der Verkehrsunternehmen zeigt sich eine gegenläufige Entwicklung zwischen den mittels Leistungsentgelt aufwandentschädigten Verkehrsunternehmen und jenen, welche über die ungedeckten Kosten beziehungsweise Abgeltungen finanziert werden.

Das Leistungsentgelt 2018 weist einen Rückgang gegenüber dem Vorjahr von 13,0 Mio. Franken auf, was 1,5 % entspricht. Dieser ist vollständig auf die Abschreibungen zurückzuführen, die 2018 voraussichtlich den Tiefststand erreicht haben. Die Investitionstätigkeit wird wieder zunehmen und auch die bevorstehende Ablieferung der neuen Tramgeneration wird zu höheren Abschreibungen führen. Ohne Einrechnung der Abschreibungen wäre das Leistungsentgelt insgesamt um rund 0,6 % gestiegen. Mehrkosten sind unter anderem durch den Teuerungsausgleich beim Personal und die Angebotsanpassungen im Fahrplanjahr 2018 entstanden.

Demgegenüber nahmen die Abgeltungen 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 7,3 Mio. Franken auf 85,1 Mio. Franken zu. Der grösste Anteil der Abgeltungen entfällt auf die SBB. Höhere Kosten sind hier bei den Abschreibungen für die neuen Regio-Doppelstockzüge und die revidierte erste Generation der Doppelstockzüge angefallen. Zusätzlich sind auch die Unterhaltsaufwendungen und die Infrastrukturgebühr angestiegen, während die Erträge und insbesondere die Einnahmenanteile für die Anerkennung des Verbundtarifs unterdurchschnittlich zugenommen haben. Bei den übrigen Verkehrsunter­nehmen mit Abgeltungen haben sich diese mehr oder weniger stabilisiert.

Bei der Belastung Mehrwertsteuer handelt es sich um den Aufwand für nicht rückforderbare Vorsteuern bei subventionierten Unternehmen. Diese Steuer hat sich um 11,4 % auf 9,3 Mio. Franken vermindert. Einerseits führte das bessere Rechnungsergebnis zu einer geringeren Mehrwertsteuerbelastung. Andererseits wurde im Zuge der Senkung des Mehrwertsteuersatzes um 0,3 % auf 7,7 % per 1. Januar 2018 auch der Satz für die Berechnung des Vorsteuerabzugs um 0,1 % auf 3,7 % gesenkt.

Der Aufwand für die Verbundorganisation reduzierte sich um 0,3 Mio. Franken auf 10,5 Mio. Franken. Der Grund liegt hauptsächlich bei der Personalkostenentwicklung. Aufgrund von Personalwechseln war die Auslastung des Stellenplans geringer als im Vorjahr. Zudem fielen weniger Ausgaben für Aus- und Weiterbildungen an und es wurden Lohnrückstellungen für nicht bezogene Ferien etc. aufgelöst.

Der Beitrag an ProMobil wird dank der Inbetriebnahme des behindertengerechten Grobnetzes (2014) und der kontinuierlichen weiteren Verbesserung der Zugänglichkeit des öffentlichen Verkehrs für Menschen mit einer Behinderung schrittweise reduziert. 2018 wurde dieser planmässig um 1 Mio. Franken auf 3 Mio. Franken gesenkt.

3 Ertragsentwicklung weiterhin positiv

Der Ertrag und die Finanzierungen durch Dritte betrugen im Berichtsjahr 685,5 Mio. Franken (+ 28,0 Mio. Franken). Ohne Berücksichtigung der Rückerstattung der PostAuto-Abgeltungen sind sie um 13,3 Mio. Franken oder um 2,0 % gestiegen.

Der rechnungsrelevante Verkehrsertrag errechnet sich aus den Verkaufserlösen aus Tickets abzüglich der Einnahmenanteile, die der ZVV an abgeltungsfinanzierte Verkehrsunternehmen für die Tarifanerkennung auszahlen muss, und abzüglich der Mehrwertsteuer.

Die Verkaufserlöse aus Tickets betragen 930,0 Mio. Franken. Darin berücksichtigt sind die Abgrenzungen für Tickets, die auch für Fahrten im Folgejahr gültig sind. Die Erlöse liegen um 23,4 Mio. Franken oder 2,6% über dem Vorjahresergebnis. Dieses Wachstum fällt höher aus als jenes der Einnahmen aus Ticketverkäufen. Denn die Abgrenzungen gegenüber dem Vorjahr mussten weniger stark erhöht werden, als die Einnahmen zugenommen haben.

Bei den Einnahmen wurde 2018 eine Zunahme auf 933,5 Mio. Franken oder um 2,0 % verzeichnet. Diese Zunahme entspricht dem Absatzwachstum, da die Preise in der Berichtsperiode unverändert geblieben sind. Die Einnahmen aus dem ZVV- und dem Z-Pass-Tarif, die rund 90 % dieser Verkehrseinnahmen ausmachen, weisen ein Plus von 1,8 % aus. Das seit Mitte 2016 beobachtete starke Wachstum bei den Einzelbilletten hat sich 2018 etwas abgeflacht (+ 4,9 %). Die Monatsabonnemente verzeichneten ein leichtes Wachstum (+ 1,2 %), während Jahresabonnemente und Multikarten rückläufig waren (- 0,6 % resp. - 2,6 %). Beim nationalen Tarif sind die Einnahmen sogar um 5,9 % gestiegen, wobei vor allem bei den Halbtaxabonnementen eine überdurchschnittliche Zunahme verzeichnet wurde (+ 14,0 %).

Der ZVV richtet an die abgeltungsfinanzierten Verkehrsunternehmen Einnahmenanteile für die Anerkennung des Verbundtarifs aus. Diese betrugen 2018 342,8 Mio. Franken. Da die Zunahme der Einnahmenanteile an die SBB und die übrigen Unternehmen mit 1,1 % deutlich unter jener der Verkehrseinnahmen lag, resultiert für den Verkehrsertrag in einem Jahr ohne Preisanpassung eine überdurchschnittliche Wachstumsrate von 3,8 %. Diese lag deutlich höher als die Frequenzentwicklung, bei der gemessen an den Einsteigern und Personenkilometern 2018 eine Zunahme von 1,0 %, beziehungsweise 1,4 % erzielt wurde.

Die Nebenerträge der Verkehrsunternehmen und Beiträge haben sich um 6,6 Mio. Franken reduziert (- 6,3 %). Davon sind rund 4 Mio. Franken darauf zurückzuführen, dass die VBZ im Vorjahr noch beträchtliche Leistungen für das Projekt Tram Hardbrücke an Dritte weiterverrechnen konnte. Zudem sind deutlich weniger Versicherungsleistungen für Personal- und Sachschäden eingenommen worden. Bei den anderen Nebengeschäften wurde im Allgemeinen ebenfalls ein leichter Rückgang verzeichnet. Die Beiträge, bei denen es sich vor allem um durch Dritte finanzierte Angebotserweiterungen handelt, sind hingegen um 7,0 % auf 4,7 Mio. Franken angestiegen. Im Berichtsjahr wurde die neue Linie 201 in Betrieb genommen, welche durch die Gemeinde Uitikon finanziert wird.

4 Sonderposition: Rückerstattungen von PostAuto

Der Anstieg der Finanzierungen durch Dritte um 14,8 Mio. Franken ist fast ausschliesslich auf die von PostAuto erhaltenen Rückerstattungen zurückzuführen. Abgesehen von dieser Sonderposition handelt es sich bei den Finanzierungen durch Dritte zur Hauptsache um die Beiträge (Abgeltungen) des Bundes und der Nachbarkantone an die Regionalverkehrslinien, die im ZVV aufwandfinanziert sind. Diese Abgeltungen werden aufgrund dieser Finanzierungsmethode direkt an den ZVV ausgerichtet. Die Abgeltungen sind 2018 insgesamt ungefähr gleich geblieben wie im Vorjahr, weil sich auch die Kostenunterdeckungen der betreffenden Linien insgesamt kaum verändert haben.

5 Rechnungslegung

Table caption
Budget 2018 Abrechnung 2018
Leistungsentgelt an Verkehrsunternehmen 885'676'000.00 869'633'515.11
Abgeltungen an die SBB und übrige Verkehrsunternehmen 85'537'000.00 85'070'576.40
Belastung Mehrwertsteuer 10'711'000.00 9'275'686.3
Aufwand Verbundorganisation 11'609'000.00 10'552'186.39
Betriebsbeiträge an ProMobil 3'000'000.00 3'000'000.00
Durchlaufende Beiträge (Rückerstattung PostAuto) 0.00 14'652'066.75
Total Aufwand 996'533'000.00 992'184'030.95
Verkaufserlös aus Fahrausweisen 920'889'000.00 930'024'033.93
./. Einnahmenanteile -349'869'000.00 -342'824'090.05
./. Mehrwertsteuer -42'298'000.00 -41'502'359.65
Verkehrsertrag 528'722'000.00 545'697'584.23
Nebenerträge 97'027'000.00 92'838'001.84
Beiträge Dritter 3'951'000.00 4'659'575.23
Nebenerträge ZVV-Organisation 0.00 32'267.30
Nebenerträge und Beiträge 100'978'000.00 97'529'844.37
Ertrag 629'700'000.00 643'227'428.60
Finanzierung Nachbarkantone 2'737'000.00 2'890'523.00
Finanzierung Bund 24'806'000.00 24'740'086.00
Durchlaufende Beiträge (Rückerstattung PostAuto) 0.00 14'652'066.75
Total Finanzierung durch Dritte 27'543'000.00 42'282'675.75
Total Ertrag und Finanzierung durch Dritte 657'243'000.00 685'510'104.35
Kostenunterdeckung 339'290'000.00 306'673'926.60
Kreditunterschreitung -32'616'073.40

6 Woher kommt das Geld? Wohin fliesst das Geld?